Ein Tag auf dem bayerischen MeerMit dem Schiff auf dem Chiemsee zur Frauen- und Herreninsel
Auf der Fraueninsel findet man beschauliche Idylle, die Herreninsel bietet ein prunkvolles Schloss des Märchenkönigs Ludwigs II.
Morgens ist die Welt hier noch in Ordnung: Friedlich und ruhig liegt die Insel Frauenchiemsee (kurz: Fraueninsel) im Wasser, einige Fischer flicken ihre Netze, langsam verschwindet der Morgennebel. Doch spätestens wenn die ersten Ausflugsdampfer von Gstadt, Prien oder der Herreninsel eintreffen, ist es mit der Stille vorbei. Möglichst nicht in der HochsaisonIm Sommer findet man auf dem Eiland tagsüber kaum einen ruhigen Fleck. Deshalb ist es zu empfehlen, eher im Vorfrühling oder Spätherbst einen Abstecher auf die Chiemseeinsel einzulegen. Dann muss man dieses malerische Idyll im bayerischen Alpenvorland nur mit den wenigen Bewohnern und den Benediktinerinnen in der Abtei teilen. Und erst dann hat man die Möglichkeit, den besonderen Charme der Fraueninsel zu erkennen. Sie ist 12 Hektar groß, mit über 50 Häusern und circa 250 Einwohnern sehr dicht besiedelt und in ungefähr 20 Minuten auf einem bequemen Uferweg zu umgehen. Etwa ein Drittel der Gesamtfläche bedeckt das Kloster Frauenwörth. Es gibt einige kleine Geschäfte wie den Klosterladen der Nonnen oder eine Töpferei, die zum Stöbern einladen. Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten sind ebenfalls vorhanden. Christkindlmarkt im AdventIm Winter findet an den beiden ersten Adventswochenenden jedes Jahr ein Christkindlmarkt statt. Früher war dieser noch ein Geheimtipp, heute ist er leider schon sehr überlaufen. Die Gäste kommen sogar aus dem 90 Kilometer entfernten München angefahren, um die Weihnachtsstimmung auf der Fraueninsel zu erleben. Wer das winterliche Ambiente ungestört genießen möchte, sollte sich eher die letzten beiden Adventswochenenden für einen Besuch aussuchen. Einen ganz anderen Charakter hat die Insel Herrenchiemsee (kurz: Herreninsel), die mit 215 Hektar auch um einiges größer ist als die Fraueninsel. Hier hat der bayerische Märchenkönig Ludwig II. eines seiner Schlösser bauen lassen. Während Schloss Neuschwanstein einer Ritterburg gleicht und Schloss Linderhof eine königliche Villa darstellen sollte, wurde Schloss Herrenchiemsee mit seinem Park nach dem Vorbild von Versailles errichtet. Prunkvolles Schloss HerrenchiemseeVon der Schiffanlegestelle läuft man circa 15 Minuten zum Schloss. Dieses ist zwar prachtvoll, wurde aber nie fertiggestellt und von Ludwig II. nur insgesamt zehn Tage bewohnt. Höhepunkt der Besichtigung ist der Spiegelsaal, der 98 Meter lang ist und damit als größter Raum in einem deutschen Schloss gilt. Wer den Märchenkönig näher kennenlernen will, kann sich eine Ausstellung im Südflügel ansehen. Auf dem Rückweg zur Anlegestelle kommt man am sogenannten Alten Schloss vorbei. Dieses ehemalige Augustinerchorherrenstift aus dem 8. Jahrhundert hat historische Bedeutung. Hier tagte nämlich im Jahr 1948 der Verfassungskonvent zur Vorbereitung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Über dieses Thema kann man sich in einer Ausstellung informieren, die durchaus einen Besuch lohnt. Wer einen Tagesausflug plant, kann ohne Probleme beide Inseln besichtigen. Es ist immer möglich, mit dem Schiff von einer Insel zur anderen zu fahren. Die Dampfer verkehren in der Hochsaison sehr regelmäßig. Die genauen Abfahrtszeiten erfährt man im Internet.
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